Der NWOBHM-Thread

Schreibt euch die Finger wund über das große Thema "Metal" - über neue Platten, neue Bands, Konzerte etc.

Moderator: Loomis

Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon MrsGod » 2. Dezember 2009, 01:13

Nur die Frauen hast du wieder rausgeekelt.... O.o
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon Loomis » 2. Dezember 2009, 01:15

Goatstorm hat geschrieben:Circa 10 Mann sind in dem Seminar. Ideale Größe. Überwiegend sogar selbst Metalhörer.


Wie groß waren die denn so? 1,80m?
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon johnarch » 2. Januar 2010, 13:48

Ein weiteres absolutes Juwel meiner Meinung nach waren Big Daisy mit ihrer 7" Single "Fever" im Jahre 1980.
Zwei Songs sind auf dieser enthalten, als erstes der Titeltrack und der zweite wesentlich stärkere Song "Footprints on the Water". Was auffällt ist die gute Produktion.
Die NWOBHM ist für mich eigentlich gerade deshalb so interessant, weil sie unheimlich viele verschiedene Stile und Richtungen abdeckt. Und so darf auch hier kein Metal erwartet werden, das ganze ist eher eine Mischung aus Bluesrock, Prog- und Hardrock. Vielleicht hat es das Trio auch deswegen damals nicht zu mehr gebracht, als diese eine Single und ein Demo im selben Jahr, welches mir nicht bekannt ist. Den Metalfans war es wohl einfach zu soft...
Auch die wenigen Sätze im NWOBHM-Buch von Iron Pages haben mich nicht aufhorchen lassen, sondern erst als ich die Band auf einem Sampler entdeckt hatte, wusste ich um deren Stärke.
Denn das Material gefällt sehr und hebt sich deutlich ab von anderen Megararitäten (denn mit nichts anderes haben wir es hier zu tun, der Preis liegt zwischen 200 und 400 Pfund geschätzt, also vergnügt euch mit dem, was man im Netz finden kann). Gerade "Footprints on the Water" geht doch stark in Richtung Rush und sollte bei jedem aufgeschlossenem Metaller zumindest eine gewisse Regung hervorrufen...So war es zumindest bei mir und nach mehrmaligem Hörgenuss wurde diese auch noch verstärkt! NWOBHM-Bands wie Limelight oder Shiva könnte man auch noch ansatzweise als Vergleich nennen.

Warum man sich bei der Namensgebung gerade für Big Daisy entschieden hat und bei der Covergestaltung folgendes auf´s Papier druckte, ist mir wie allerdings bei vielen Gruppen mal wieder schleierhaft.
Bild

Die beiden Lieder hab´ich bei Youtube gefunden, wenn ihr mal reinhören wollt.
http://www.youtube.com/watch?v=qi7dZr-N ... re=related
http://www.youtube.com/watch?v=WubwURCZqfg
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon Sgt. Kuntz » 2. Januar 2010, 16:34

Hab schon von der Single gehört und die beiden Songs klingen wirklich gut. Super Sänger und gute Mischung aus Progrock und frühem Metal, allerdings auch eine der teuersten Singles, unter 300€ geht da gar nichts. Dafür kommt sie dann musikalisch nicht ganz an die NWOBHM-Elite heran und auch das Cover ist wirklich ziemlich furchtbar. Also eher was für die Die-Hard-Sammler. Hast du die etwa?
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon johnarch » 2. Januar 2010, 16:40

Sgt. Kuntz hat geschrieben:Hab schon von der Single gehört und die beiden Songs klingen wirklich gut. Super Sänger und gute Mischung aus Progrock und frühem Metal, allerdings auch eine der teuersten Singles, unter 300€ geht da gar nichts. Dafür kommt sie dann musikalisch nicht ganz an die NWOBHM-Elite heran und auch das Cover ist wirklich ziemlich furchtbar. Also eher was für die Die-Hard-Sammler. Hast du die etwa?

Nee, leider nicht. Da ich kein Die-Hard-Sammler bin, werd´ich sie auch nie bekommen...
Aber ,wie schon geschrieben, ragt sie IMO musikalisch in dieser Preisklasse doch schon ein wenig heraus, wenn ich mir so manch andere NWOBHM-Single ab 150 Euro anschaue.
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon Pavlos » 2. Januar 2010, 19:37

johnarch hat geschrieben:
Die NWOBHM ist für mich eigentlich gerade deshalb so interessant, weil sie unheimlich viele verschiedene Stile und Richtungen abdeckt.


Sehe ich genauso. Ein Genre zu dem so unterschiedliche Bands wie z.B. Satan, Cloven Hoof, Marquis de Sade & Legend zählen, MUSS einfach interessant sein.

Danke für die Big Daisy Links, gefällt mir ganz gut. Wie der Searg schon sagte: `ne interessante Mischung aus Prog Rock & Metal. Eine weitere Band die man im umfangreichen NWOBHM Feld leider schnell übersieht.

Was mich in diesem Zusammenhang mal interessieren würde: Was meint ihr, welche NWOBHM Bands/Alben/Singles aus den hinteren Reihen sollte man noch kennen(lernen)? Welche "unknown jewels" wurden hier noch nicht oder selten erwähnt?
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon Sgt. Kuntz » 2. Januar 2010, 22:15

Pavlos hat geschrieben:Was mich in diesem Zusammenhang mal interessieren würde: Was meint ihr, welche NWOBHM Bands/Alben/Singles aus den hinteren Reihen sollte man noch kennen(lernen)? Welche "unknown jewels" wurden hier noch nicht oder selten erwähnt?


Okay, hier noch ein paar Tipps im Schnelldurchgang, hab mir zwar heute eine neue Tastatur gekauft, aber tippen muss man trotz allem Hightech ja immer noch selber.

CHARGER - Desperadoes 7" 1990
Hat alles, was man von der NWOBHM erwartet, wenn auch zeitlich komplett verpennt, haha. Ist total super, gibt es aber nicht auf CD.

OMEN SEARCHER - Too much 7" 1982
Leicht punkig/rotzig, mit einem Sänger, der schreien kann, wie ein frisch kastrierter Haremswächter!

TALAN - Spellbinder 7" 1987
Melodisch und ein kleines bisschen episch, dazu mit starkem Sound, gefallen mir beide Songs sehr gut, gab es mal günstig beim Roman Greindl, vielleicht hat er noch welche.

FIRECLOWN - Invasion EP 1983
Blöder Name, saucoole Musik, Feeling, Power, Songwriting, alles da, erschien als 10"-EP, gibt es sogar günstig bei HHR-Records. Zugreifen!!

APOCALYPSE - Stormchild 7" 1982
Recht wild und typisch britisch halt. Und teuer. Aber mit sehr gutem Sänger, B-Seite ist recht ruhig, aber auch ziemlich gut. Hießen später OMEGA (geile LP "The Prophet")

SHOCKSPLIT - Under Wraps EP 1989
Sehr gesuchtes Sammler-Teil mit gruseligen Preisen, aber musikalisch top, wenn auch hier und da etwas melodischer als gewohnt. "Take me in heat" ist eine wahnsinnig gute Halb-Ballade!

BLACK AXE - Highway Rider 7" 1980
Auch noch halbwegs bezahlbar sind die hier, A-Seite ist ein Killer/Klassiker, B-Seite aber auch verdammt stark. Hießen später WOLF.

GOLGOTHA - Dangerous Games EP 1984
Super EP, teilweise recht wild, teilweise mit Folk-Elementen. Leider auch recht selten.

BLEAK HOUSE - Lions in Winter EP 1982
Sollte bekannt sein, gibt es ja auch als Compilation von Buried by Time and Dust-Records (Vinyl only). Original ist natürlich teurer.

REINCARNATE - Take it or leave it 7" 1982
Schöne Riffs, die galoppieren, wie die Ritter der Kokosnuss, guter Sänger

MILLENNIUM- same LP 1984
Hab ich hier schon mal gewürdigt, braucht absolut jeder, der irgendwas mit NWOBHM anfangen kann. Hör ich sehr oft. Sollte auch bezahlbar sein, so um die 25-30€.

VIRTUE - We stand to fight 7" 1985
Zwei Nackenbrecher für die Ewigkeit, dürfen auf keiner NWOBHM-Party fehlen.

VOLTZ - Knight's Fall LP 1982
Geniales Cover, aber mehr Boogie Rock als Power Metal, trotzdem mit starken Momenten, was Spezielles halt. Und teuer.

PROWLER - Alcatraz 7" 1985
Einer meiner Favoriten, perfekter Edelstahl, wer da nicht mit dem Kopf schüttelt, sollte seinen Puls fühlen. Besser geht's nicht. Die "Forgotten Angels"-Single ist auch sehr gut.

EXCALIBUR - The Bitter End EP 1985
Ähh, die Band heißt EXCALIBUR verdammt!! Eine EP aus England von 1985 mit Schwert-Fantasycover? Was kann da schief gehen? Gar nichts, super Scheibe, das spätere Album ist aber dann nichts mehr

TREDEGAR - same LP 1986
Fast durchgängig starkes Album mit ruhigen, epischen Momenten und entsprechenden Texten. Nachfolger der Hardrock-Legende BUDGIE. Nicht das Re-Mix-Album kaufen, lieber das Original.

OVERDRIVE - On The Run EP 1981
Noch ein Kracher zum Schluß, perfekter "Down to the earth"-Heavy Metal, "On the Run" muss man haben.
Zuletzt geändert von Sgt. Kuntz am 2. Januar 2010, 22:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Cthulhu » 2. Januar 2010, 22:35

Ich hör grad Tröjan. :smile2:
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon J.uwe » 3. Januar 2010, 04:12

Kennt einer von euch von DARK HEART die "Straight from the heart" Single (1987)???
Leider ist bei Metal-archives kein Cover dazu.
Würde mich mal interessieren, ob die auch so gut klingt wie das Album ("Shadows of the night").
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon Metallah » 3. Januar 2010, 04:26

BLEAK HOUSE - Lions in Winter EP 1982
Sollte bekannt sein, gibt es ja auch als Compilation von Buried by Time and Dust-Records (Vinyl only). Original ist natürlich teurer.


Das stimmt so nicht, es gibt auch eine CD Version vom gleichen Label mit Bonustracks... .

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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon johnarch » 3. Januar 2010, 13:35

Ja, da sind schon ein paar schöne Sachen vom Searg genannt wurden. Allerdings gestaltet sich die Beschaffung derselben oftmals als sehr teuer, wenn man nicht gerade auf die PHOENIX-Bootlegs! zurückgreifen möchte.

Was ich noch empfehlen und was noch sehr preiswert ist:
Panza Division - WE'LL ROCK THE WORLD 7"
kam 1982 raus ind geht ein wenig in die Glam-Richtung, sollte für weniger als 10 Euro zu haben sein

Joker - Back on the road 7"
ebenfalls sehr günstig noch zu bekommen aus dem Jahre 1984, zwei mittelschnelle Songs, die durchaus gefallen

Was nicht billig ist, dafür aber umso besser sind natürlich noch Traitors Gate, die aber wahrscheinlich auch bekannt sein sollten mit ihrer obskuren "Devils takes the high road" 12"-Single. Klasse Cover, drei coole Songs mit spitzenmässigem Gesang, für mich eine der besten aus dieser Zeit.

Ach ja, und was ich noch vegessen hab´ zu erwähnen: Der ein oder andere kennt vielleicht die Band Lionheart mit ihrem grottigen Album "Hot Tonight". Aufgrund dieses IMO schlechten Albums hatte ich die Band eigentlich schon längst gestrichen aus meinem kleinen Hirn, bis ich vor einiger Zeit den gleichnamigen Song (Lionheart) der Band auf einem Bootleg-Sampler hörte. Dieser wurde anscheinend Anfang der 80er extra für den HM Heroes II-Sampler aufgenommen und hebt sich deutlich vom 84er Album ab. Wer also den Sampler mal in die Hand bekommt, kann für wenig Geld alleine aufgrund dieses Liedes zugreifen neben anderen wie Persian Risk oder Mendes Prey.
Wie schon gesagt, der Rest der hochgehandelten Band ist meiner Meinung nach mehr als verzichtbar...
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon Sgt. Kuntz » 3. Januar 2010, 13:35

Metallah hat geschrieben:
BLEAK HOUSE - Lions in Winter EP 1982
Sollte bekannt sein, gibt es ja auch als Compilation von Buried by Time and Dust-Records (Vinyl only). Original ist natürlich teurer.


Das stimmt so nicht, es gibt auch eine CD Version vom gleichen Label mit Bonustracks... .

M.


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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon Evil Possesor » 3. Januar 2010, 14:34

Was ich noch absolut geil find:

Geddes Axe - Sharpen Your Wits 7" (1982)
Recht flott, melodisch und auch noch halbwegs im preislichen Rahmen (in der Regel so 30 - 40€)
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon Pavlos » 4. Januar 2010, 22:39

Thanx @ Searg!!!

Werd mich jetzt mal per youtube auf die Suche nach Clips machen...

:yeah:
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Re: Der NWOBHM-Thread

Beitragvon Goatstorm » 8. Januar 2010, 14:18

OMEN SEARCHER - Teacher of Sin 7" (1982)
O.C.S. Records 002

Bild

1. Teacher of Sin: http://www.youtube.com/watch?v=HjkLkkY8epA
2. Too Much: http://www.youtube.com/watch?v=OmhmgSYg ... re=related

Derbyshire ist bekannt für seine Steinbrüche, seine wildromantischen Landschaften, seine Kühe. Die Römer waren auch schon da. Alles sehr toll, aber gute Voraussetzungen für Heavy Metal sehen dann doch ein klein wenig anders aus - gerade wenn der Blick in Richtung Südwesten auf das "Black Country" westlich von Birmingham wandert, einem von Schwerindustrie zersetzten Landstrich, dessen Fabrikruinen, Schlöte und Kohlenminen heute noch immer konstituierende Faktoren einer traditionellen, im Verschwinden begriffenen britischen "Working-Class"-Identität darstellen. Wenn die Wissenschaftler der großen Käferrasse, die nach dem Weltende im Jahr 2012 auf die Menschheit folgen wird, dem Entstehungsort und dem Herz des Heavy Metal nachforschen, werden sie hier zwischen den verkohlten Ruinen von Birmingham und Wolverhampton fündig werden: Black Sabbath, Judas Priest, Witchfinder General, Diamond Head, Cloven Hoof... die Liste ist endlos. Aber Derbyshire? Was gab's da schon? Gut, Saracen stammten noch aus der Gegend. Aber ansonsten? Ach ja, richtig, OMEN SEARCHER! Wieder eines dieser klassischen one-hit-wonder: vier Schulfreunde gründen um 1980 eine Band, die es sich stilistisch irgendwo zwischen den Sex Pistols und Iron Maiden bequem macht, regionale Gigs spielt, eine Single aufnimmt, sich auflöst und es 30 Jahre später wohl kaum fassen kann, für welchen Preis das einzige handfeste Ergebnis ihrer Jugendsünde bei einschlägigen Händlern über die Ladentheke wandert.

Es ist schon immer wieder bemerkenswert mit dieser NWOBHM: da wird die populäre Musik über Jahrzehnte von international operierenden Konzernen dominiert, von gigantomanischen Rockbands und millionenschweren Produzenten, von einer Infrastruktur, in der ohne entsprechende Businesskontakte die Chancen auf eine LP-Veröffentlichung kleiner waren, als die Auflage eines Tales-of-Medusa-Demos, und plötzlich kommt es zu einer Explosion, in der de facto jede Schülerband mit einer eigenen Veröffentlichung reüssiert. Sicher, der Punk hat es in England vorgemacht, wie es gehen kann, wenn sich die BBC weigert, das Geschrammel ins Programm zu nehmen: eigene Fanzines, word-of-mouth-Propaganda und eine demonstrative do-it-yourself-Attitüde hatten gerade in England Vorbildcharakter für die NWOBHM-Kids, die zu einem nicht unbeträchtlichen Teil ihre musikalische Entjungferung selbst in der Punkszene erlebt hatten. Aber Punk und die entsprechenden unabhängigen Organisationssysteme existierten auch in den USA, recht früh auch in Norddeutschland, Schweden war auch mit dabei - dennoch blieb diese überfallartige Bewegung, in deren Verlauf sich sogar Bands aus dem absoluten musikalischen Hinterland, wie eben OMEN SEARCHER, Veröffentlichungsmeriten erwarben, ein rein britisches Phänomen.

Schlägt man auf der Suche nach den Gründen für dieses insulare Phänomen englische Geschichtsbücher beim Jahr 1979 auf, dem Jahr "when the dam began to break" (Saxon), stößt man auf den Terminus "Winter of Discontent" - Winter der Unzufriedenheit. Damit bezeichnet wird eine gewaltige Welle von Streiks, die in den Jahren 1978 und vor allem 1979, dem Erscheinungsjahr von genredefinierenden Klassikern wie Maidens "Soundhouse Tapes", "Don't touch me there" von den Tygers of Pan Tang oder dem Saxon-Debütalbum, ganz England über Monate hinweg lähmten. Als Reaktion auf massive Sparpläne der Regierung, die vor allem im Lohnbereich erfolgen sollten, legten zeitweise bis zu 1,5 Millionen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ihre Arbeit nieder - der größte Streik in Großbritannien seit 1926. In London stapelte sich der Müll und das Benzin wurde knapp, da sich die Fahrer weigerten, die von der Regierung verlangten unbezahlten Überstunden zu leisten.
Entscheidend für die Ausbreitung der NWOBHM waren im Zuge dieser politischen Entwicklungen aber im Besonderen die Streiks der britischen Rundfunk- und Fernsehanstalten. Während die großen Plattenfirmen durch die Arbeitsniederlegungen der landesweit sendenen Mainstreamkanäle schlagartig ihre wichtigste Promotionplattform verloren, wurden die kleinen Bands weiterhin von verschiedenen kleinen unabhängigen, regionalen Privat- und Spartensendern, die nicht von den Streiks im öffentlichen Dienst betroffen waren, gespielt. Chart-Notierungen errechneten sich in Großbritannien Ende der 1970er-Jahre zu 50% aus Verkaufszahlen und zu 50% aus Radio-Airplay. In der Folge der Streiks fanden sich so mehr und mehr kleine Bands mit ihren Singles in den britischen Charts: Ein ungeheurer Anreiz für zahllose Gleichaltrige, es selbst mit einer eigenen Band und einer eigenen Single zu versuchen. So günstig würden die Bedingungen, um mit Underground-Musik ein breiteres Publikum zu erreichen, nie wieder werden. Die konstanten Live-Shows, die von den jungen Bands abgerissen wurden, trugen ihr Übriges dazu bei, aus den verstreuten Regionalszenen, die teils nicht einmal voneinander wussten, eine landesweite Welle zu machen, die von Geoff Barton vom Sounds-Magazin schließlich in einem Artikel über Iron Maiden aus dem Jahr 1979 als "New Wave of British Heavy Metal" bezeichnet werden sollte. Ein weiterer Effekt dieser Entwicklungen bestand in der Tatsache, dass nun auch die Industrie auf die zahlreichen jungen Bands mit den komischen Namen, energischen Liveshows und langhaarigen jugendlichen Fans, die sich zwischen Cliff Richards und Blondie in den Hitlisten tummelten, aufmerksam wurde und die üblichen Selektions- und Marketingprozesse einleitete. So war es drei Jahre später für die meisten schon wieder vorbei mit dem Traum, mit einer Schülerband die Weltherrschaft zu übernehmen.

OMEN SEARCHER - um den Bogen zurück zum eigentlichen Gegenstand des Reviews zu spannen - mögen als archetypisches Beispiel für diese Entwicklungen dienen. Von den vier Kumpels Alastair Boden, Chris Hiles, Bob Beebe und Andy Dobson unter dem Einfluss der NWOBHM-Vorreiter gegründet, wurde zunächst ein Neun-Track-Demo fabriziert, bevor die üblichen Livetrips durch die regionalen Pubs begannen. Die Shows der Band dürften nicht unspektakulär gewesen sein, wurden doch in der Regel alle möglichen Rauchbomben und andere Special Effects eingesetzt. Pyroeffekte und betrunkene junge Männer waren noch nie eine besonders vertrauenserweckende Kombination, so passierte es schon mal, dass die Band die Rauchbomben im Proberaum (!!!) testete, so dass durch den gelben Qualm, der durch die Fenster driftete, ein Großaufgebot der örtlichen Polizei und Feuerwehr auf den Plan gerufen wurde. Als Fahrer für die Gigs musste in der Regel Gitarrist Chris Hiley herhalten, zum einen, weil er einen Lieferwagen besaß, zum anderen musste er meist nüchtern bleiben, da er als Milchfahrer üblicherweise morgens um 3 wieder auf seine tägliche Tour beginnen musste.
Auch in musikalischer Hinsicht präsentieren sich OMEN SEARCHER als absolut archetypische Band der NWOBHM, wobei ein Sound gepflegt wurde, der stärker in Richtung härterer Acts, wie Destroyer oder Savage tendierte. Auch eine deftige Punkschlagseite ist in den simpel gestrickten Songs der Band auszumachen, was 1982 auf viele Fans womöglich schon ein wenig antiquiert wirkte. Die 1982 veröffentlichte "Teacher of Sin"-Single, das einzige offizielle Tondokument der Band, bündelt die Qualitäten OMEN SEARCHERS. Vor allem die B-Seite "Too Much", ein sehr schneller Headbanger mit treibendem Schlagzeug und fettem Tank-Riffing weiß zu überzeugen. Der punkige Refrain fällt zwar ein wenig unspektakulär aus, geht aber gut ins Ohr. Handwerklich scheint die Band ziemlich fit gewesen zu sein, was in den wenig komplexen Songstrukturen allerdings nur in der energiegeladenen Performance und einigen gelungenen Soli zum Ausdruck kommt. "Teacher of Sin", die A-Seite, startet ähnlich heftig nach vorne los wie "Too Much", geht im Refrain aber in ein Break über, das dem Song ein wenig zu abrupt seinen Drive nimmt. Die Stimme von Sänger Alastair Boden ist über die gesamte Distanz angenehm klar und unaufdringlich, verfügt aber auch über wenig Wiedererkennungswert, mit dem sich die Band von ihren zahllosen Mitbewerbern hätte distanzieren können. Unterm Strich sind OMEN SEARCHER aber sicherlich nicht der schlechteste Export, den Derbyshire hervorbrachte. Ob man den heftigen Preis, der für die obskure Single abgerufen wird, zu zahlen bereit ist, steht auf einem anderen Blatt.

Die 7" erschien in einem weißen Papiersleeve mit schwarzem Aufdruck. Für Verwirrung sorgt dabei, dass auf dem Backcover "Too Much" als Titeltrack angegeben wird, während auf der Single selbst "Teacher of Sin" auf die A-Seite gepresst ist. Dies führt dazu, dass die 7" teils als "Too much", teils als "Teacher of Sin" gelistet wird. Die NWOBHM-Bootlegger Phoenix haben die Single in einer fast identischen Version in einer 250er-Auflage wiederveröffentlicht. Zu unterscheiden ist der Bootleg zum einen durch das Phoenix-Logo auf dem Backcover, zum anderen durch den Labelaufdruck, der den Bandnamen in einem Schreibschrift-Font zeigt. Eine CD-Version ist mir nicht bekannt.

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