von Prof » 4. August 2010, 13:11
Es war ein etwas anderes HOA für mich dieses Jahr, aber ich habe es trotzdem genossen und die Bands bis auf drei, vier, auch gesehen. Hier meine Highlights und Eindrücke (für diejenigen die es nach all den Posts hier noch lesen möchten).
Anvil Chorus
30 Jahre hat's gedauert bis die Pioniere aus San Francisco in der Alten Welt auf einer Bühne stehen und gerade dann fängt es zu regnen an. Es tat mir so Leid für diese im Metalspektrum einzigartige Band. Der Teufel war in Brande, soviel ist klar. Aber was für ein Gig: tight, heavy (um etliches metallischer als auf Konserve), technisch schlichtweg perfekt. Magie pur.
Hier muss insbesonders der Mann am Mischpult hochgelobt werden, weil er Anvil Chorus einen glasklaren und powervollen Sound hingezaubert hat. Jedes Detail hat man rausgehört, was bei dem fantastischen Zusammenspiel von Thaen Rasmussen und Carlos Hernandez zu wiederholter Gänsehaut geführt hat. 'Red skies', 'Deadly weapons', 'Blue flames', 'Phase to phase', 'Man made machines', die Mörder-Version von 'The blade', die neuen Sachen: jede Note jeder Nummer traf ins schwarze.
Trotz Tokaros doomige Prophezeiung nach diesem Jahrhundertauftritt, wir werden diese Band wohl nie mehr live erleben, hoffe ich dass sie es trotzdem nochmal nach Europa schaffen. Die Hauruck-Fraktion wird's eh nicht interessieren, aber Anvil Chorus dürften die most sophisticated metalband ever sein. Besser geht es einfach nicht - und das ohne 'Once again' gespielt zu haben. Hoffentlich erbarmt sich der Oli und bucht Anvil Chorus für KIT 2012...
Culprit
Scott Earl, sonnenstudiogebrannter Ober-Poseur am Bass, war Entertainment pur, und hat trotz Clowns-Act astrein gespielt. Der Sound war erneut klasse, was Pflicht ist bei dem spielerischen Material mit jeder Menge Feinheiten. Leider war der Sänger, äh, nicht ganz bei der Sache. Deswegen fiel auch der Auftritt bei der After Party im Ballroom flach (Basser Scott war vor Ort und zutiefst enttäuscht). Bei 'Tears of repentance' und 'Players' ging jede Menge schief, aber trotzdem: US-Metal vom feinsten. Und das ‘Heaven and hell’-Cover war dann die Krönung.
Shok Paris
'Steel and starlight', 'Hot on your heels', 'Tokyo Rose' (!), 'Go down fighting', 'Concrete killers' undundund. Hammer. Auch der Ballroom-Gig kam super, das ist eh eine Band für Clubgigs. Vic Hix – stilecht mit Bandana und old school Sonnenbrille - war ohnehin gut drauf, und seine Stimme klingt noch genauso (originell) wie anno dünnemals. Gerne hätte ich mir noch einen dritten Gig im hohen Norden angeschaut, aber am Montag ging’s dann leider nach Hause. Und zweimal Shok Paris an einem Wochenende, hey, das ist Luxus pur!
Raven
Die britisch-amerikanische Beklopptenbande zeigte der versammelten Gemeinde mal wieder wo der Hammer hängt. Spielfreude ad absurdum. Kein Wunder dass da auf der Bühne ‘nur’ die Gallagher-Brüder toben: ein zweiter Gitarrist oder Sänger würde es bei dem Aktionsradius der beiden nicht überleben. Zwar finde ich es immer schade, dass bei einem Raven-Gig soviele Intermezzi eingebaut sind, da man stattdessen doch besser zwei, drei alte Kracher (‘Don’t need your money’, ‘Hell patrol’, ‘Firepower’) auspacken könnte. Egal, Party total. ‘Faster than the speed of light’, ‘Live at the inferno’, ‘Lambs to the slaughter’ und jede Menge weitere Hits wurden am HOA frenetisch mitgebrüllt und –gebangt. Nicht kaputt zu kriegen, die Jungs. ‘Rock until you drop!’
Solitude Aeturnus
Lowe und Perez zuzuschauen ist Charisma und Hingabe hoch 10 erleben. Die Band hat alles im Griff, braucht keine Tricks, kein Theater – SA sind halt die episch-doomige Essenz aus Texas. Ah, ‘Destiny falls to ruin’! Gut auch, dass es mittlerweile um Mitternacht war und der Mond weit oben über der Bühne am Himmel stand.
Überraschungseier of steel
Blood Feast
Statt erwarteter Rumpelthrash arschtighte US-Aggression pur. Gut dass ich mir den Auftritt nicht gekniffen habe. Um mich herum gingen die Die Hard-Thrasher ab wie die E-Mails.
Roxxcalibur
…haben ‘Destiny’ von Trident, mit einem der besten Riffs/Doppel-Leads der NWoBHM ausgestattet, in einer unfassbar geilen Version gebracht. Wenn es so etwas wie ‘Swing’ im Metal gibt, dann das hier. Megahuld.
Demon
‘Remembrance Day’. Nuff said.
Best of the rest
Tygers of Pan Tang: gut, obwohl nicht das Niveau vom KIT-Gig. ‘Take it’!
Amulance: vielleicht wegen dem schwachen Sound nicht so intensiv wie erhofft.
Omen: dito, revanchierten sich aber genauso wie Amulance bei der Afterparty.
Mekong Delta: super, hervorragender Sänger, virtuos gespielt. ‘The hut of Baba Yaga’ auf dem HOA, kaum zu fassen. Dass die Band mehr als dezenten Zuschauerzuspruch erhielt, hat mal wieder bewiesen: technischer Metal darf nur sein wenn die Band aus den Achtzigern stammt.
Stormzone: spielten anfangs im Set eher einfach Gestricktes, später dann viel bessere Songs mit Maiden-Flair. Der Fronter musste sich warmsingen, aber hat es – auch Charisma-mässig – drauf.
Afterparty Ballroom
Weder Culprit noch Blood Feast spielten, dafür gab’s Omen nochmal – und das hat geknallt, gekillt und gegrillt. George Call ist das beste dass Omen in 20 Jahren passiert ist, und mehr Rock ‘n’ Roll als Kenny ‘Irokese’ Powell und Andy ‘Tattoo’ Haas geht nicht. Die Ballroom-Version von ‘Teeth of the Hydra’ fegte alles weg. Von wegen Sonntag!
Weil der neue Ballroom auf der Reeperbahn einfach top ist als Location (das alte Café Keese, Tanzsaal im klassischen Stil), war das schonmal der erste Bonuspunkt des Abends. Dazu noch der gute Sound: die Auftritte von Omen und Amulance kamen dadurch viel besser als auf der HOA-Bühne. Shok Paris nochmal sehen zu können war eh spitze. ‘We’re working on new stuff, man!’ sagte mir Vic nachher und grinste wie ein Kerl mit sechs richtige im Lotto.
Bei Eternal Legacy fiel mir auf dass der Sänger-Gitarrist doch sehr nach Hetfield klingt. Mit dem plumpen Thrash von Trench Hell konnte ich wenig anfangen, als Gig war es aber unterhaltsam. Dass es drinnen recht heiss war, hat übrigens kaum gestört, man hat einfach noch einen zur Abkühlung getrunken.
Das Drumherum
Weitaus weniger Leute vor Ort als befürchtet, dazu kaum Exemplare der Gattung Wackenspacke Extremis Vulgaris.
Besseres Catering auf dem Gelände als früher (ich war 2009 nicht da). Highlights: der Hot Dog-Stand und die Falafel-Bude, jeweils mit äusserst freundlicher Bedienung. Zum ersten Mal hat mein sensibler Magen nicht protestiert und das hat erheblich zur Festivalfreude beigetragen. Eine gute Fischbude könnte das HOA aber bestimmt noch vertragen, Fisch ist halt leichter verdaulich als dieses Steak-/Hamburger-Inferno.
Von unfreundlicher Bedienung an den beiden Biertresen habe ich nichts gemerkt, war alles immer korrekt, ob Männlein oder Weiblein. Sehr schade dass die blonde Jungedame die seit Jahren auf dem HOA hinter der Theke im Garten arbeitete, dieses Jahr durch Abwesenheit glänzte. Liebe Kirsten, bitte nächstes Jahr uns wieder mit deiner Präsenz beglücken, merci.
Zum Campingplatz kann ich nichts sagen, da meine Kumpels und ich im Hotel genächtet haben. Dazu muss ich noch folgendes loswerden: als wir am Freitagmorgen seltsamerweise kein Taxi bekommen haben, hat uns die Tochter der Hotelinhaberin zum Festival gefahren, das waren immerhin 20 Minuten + 20 Minuten ihrer Urlaubszeit. Sie wollte dafür nichtmal Geld von uns annehmen.
Alles in allem ein gut organisiertes HOA, das im Vorfeld doch arg durch Absagen heissgewünschter US- und Kanada-Bands (Aska, Icon, Jag Panzer, Warmachine) getrübt wurde. Mit dem Wetter hatten wir natürlich viel Glück, auch wenn es am Freitagnachmittag und –Abend windtechnisch sehr unangenehm war.
A loud and resounding ‘Cheers!’ to: meine Dutch pals of the Old School Pim und Mario, Tokaro, Tex, Holg, Helle, Nightstalker, Michael a.T., Volker und Martin B.