Circle II Circle : Watching In
Silence
Aha, so
klingen also Savatage ohne Paul O’Neill. Etwas bodenständiger, erdiger
produziert ist die Debütscheibe von Zak Stevens’ neuer Formation, als dies der Meister
des Broadway-Metals wohl inszeniert hätte; aber ansonsten halten sich die
Unterschiede erstaunlicherweise doch in Grenzen. (Wenn mir persönlich der
Gitarrensound des exzellent aufspielenden und Vergleiche mit der
post-Criss-Oliva-Gitarrenfraktion der legendären Florida-Metaller durchaus
bestehen könnenden Matt LaPorte auch etwas zu steril klingt.) Na ja, die Herren
Jim Morris und Jon Oliva, mit denen gemeinsam unser Barde den Tonmeister mimte,
sind ja auch alles andere als blutige Anfänger.
Musikalisch
läßt der mit einiger Schützenhilfe seiner Ex-Kollegen angetretene Stevens
natürlich auch nix anbrennen. Ein zukünftiger Klassiker wie der Titeltrack hält
ohne Abstriche mit Meisterwerken wie “Edge Of Thorns” oder “Gutter Ballet” mit,
“The Circle” swingt und groovt wie weiland “Jesus Saves”, und ein Ballädchen
oder zwei vergißt der gute Zak natürlich auch nicht. Wäre bei einem Mann mit
einer derartigen Stimme aber auch fast schon ein Verbrechen gewesen…
Bei allen
Parallelen zu jüngeren Savatage-Werken muß allerdings bemerkt
werden, daß Circle II Circle schon mal um einiges
dynamischer daherkommen als die Stammband seit, nun, “Edge of Thorns”
vielleicht. Mehr Metal, weniger Theatralik – was gerade die Fans ansprechen
sollte, die sich ähnliches bereits (vergeblich) vom Quasi-“Vorgänger” “Poets
And Madmen” erhofft hatten. Auf ebenjener Scheibe wäre ein Song wie “Forgiven”
gar nicht mal fehl am Platze gewesen – ruhiger, melancholischer Beginn, dann
ein anfangs eher sperriger Chorus, der erst mit der Zeit seine volle Wirkung
entfaltet. Der große Unterschied ist natürlich Zaks schlichtweg überragender
Gesang, der noch das letzte aus einer solchen Komposition herausholen kann, was
dem stimmlich schon etwas angeschlagenen Mountain King zuletzt nicht immer
gelungen ist.
Fazit:
Trotz ein, zwei weniger zündenden Songs (insbesondere das sperrige, mit
elektronisch verzerrtem Gesang versehene “Lies” will trotz klasse Refrain nicht
recht ins Ohr) ein Pflichtkauf für alle Sava-Fans der 90er-Phase. Zumal es da bis
zum nächsten Studioalbum bestimmt wieder ‘ne halbe Ewigkeit dauern wird…
Anspieltips:
Titeltrack, “Into The Wind”, “The Circle” und das mit aufwendigen
Gesangs-Arrangements versehene “Fields Of Sorrow”.
(c)2003, Ernst Zeisberger