Blind Guardian : And Then There Was Silence

Puh, leicht machen es uns die Krefelder nun wirklich nicht. Die erste Single-Auskopplung des in ferner Zukunft mal irgendwann erscheinenden siebten Albums der Fab Four des Fantasy-Metals ist ein sage und schreibe vierzehn Minuten langer Monumentaltrack, der sich inhaltlich mit dem Untergang Trojas auseinandersetzt. Wer jetzt endlose Solo-Passagen erwartet, könnte falscher nicht liegen – Hansis Stimme und die wie immer überragenden, fetten Chöre bestimmen das Bild, wie schon der ellenlange Text im Booklet vermuten läßt. Kaum ein Part, von dem bombastischen Chorus natürlich mal abgesehen, wird mehrfach wiederholt, so daß der Song erst mal überhaupt nicht ins Ohr gehen will – der eine oder andere Durchgang unter dem Kopfhörer mit dem Textblatt in der Hand ist definitiv angesagt, denn progressiver als hier klangen Blind Guardian noch nie. Aber die zusätzliche Mühe lohnt sich – wenn das Epos denn erst mal gezündet hat, läßt es einen kaum noch los, und man entdeckt mit jedem Male ein neues Detail.

Die B-Seite “Harvest Of Sorrow” ist da eine willkommene Drehung um 180 Grad – eine simple, urtypische Barden-Ballade in bester “Lord Of The Rings”- oder “Bard’s Song”-Tradition. Tolkien-Fans aufgepaßt – das Stück ist ein Überbleibsel aus den “Nightfall…”-Recordings und behandelt inhaltlich die Geschichte von Turin Turambar aus dem “Silmarillion”. Keine Ahnung, warum das gute Stück nicht den Weg auf ebenjenes Album gefunden hat – qualitativ gehört die Nummer zu den schönsten Balladen der Guardians, und die leicht melancholisch-traurige Stimmung paßt hervorragend zur literarischen Vorlage. Was man über viele “Nightfall…”-Songs nicht immer unbedingt behaupten konnte…

Anyway, ich freu’ mich aufs Album! Und das war ja wohl der Sinn des Ganzen…

(c)2001, Ernst Zeisberger

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