Legend Maker: The Path To Glory


Das fünfte Release aus dem Hause Sentinel Steel (nach New Eden, Gothic
Knights
, Burning Starr und Axehammer) ist laut Labelchef Denis Gulbey
"Glorious German/Euro-style power/speed metal with an outstanding American
vocalist". Davon hat er kein Wort gelogen. Die Songs rollen in bester
Helloween-/Blind Guardian-Stil vorwärts, als könne kein Gartenzwerg sie
aufhalten.
"Leonelda" ist der Kick-off und wirkt, gemessen an den nachfolgenden
Stücken, relativ sperrig mit seinen forcierten Gesangslinien die zu sehr
ins pathetische gleiten. "Sands of time" (gab's auch als Titel auf dem
Sentinel Steel-Release von Axe Hammer; seltsam) zeigt dann wo's lang geht:
schneller Power Metal mit Euro-Echtheitssiegel. Aber warte: diese Band
stammt aus Kolumbien. Ja, ihr habt richtig gelesen.
Von Exotenbonus kann man, nachdem man die vierzig Metalminuten
durchgespielt hat, nicht mehr reden: in fast nichts unterscheiden Legend
Maker
sich von ihren europäischen Konfratern und das kann man einerseits
schon als Kompliment auffassen. Vielleicht vermissen die wahren
Undergroundler den deutschen Akzent des Sängers (kein Kult, also im Lager
Legend Maker), denn Michael Grant ist tatsächlich Amerikaner.
Herzstück der CD bildet das elfminutige "Story", wo deutlich wird, dass man
sich auch in einer längeren Komposition durchaus nicht "progressiv"
verlaufen muss. "Moon seasons" ist wiederum ein fesselnder Stampfer.
Die Produktion ist eine buchstäblich zwiespaltige Angelegenheit: die Musik
wurde in Kolumbien aufgenommen und klingt etwas undifferenziert, der Gesang
wurde von New Eden's Horacio Colmenares in seinem Hausstudio produziert und
ist eher sauberer Natur.
"The path to glory" (mit Hildebrandt-Artwork aus der Tolkien-Bilderreihe)
leidet unter dieser undifferenzierten Produktion, wobei die Gitarren in den
Hintergrund gedrückt wurden und die Drums klingen, als hätte man sie im
Besenkämmerlein aufgenommen. Auch im Mix ist da etliches hängengeblieben.
Da das Songmaterial teilweise etwas bieder und, meiner Ansicht nach, zu
aufmunternd ausgefallen ist, fehlt mir hier das nötige Feuer.
So engagiert die Jungs aus Cali, Kolumbien, auch sind und so gut sie ihre
Instrumente auch beherrschen; letztendlich sucht man auf dieser Platte
vergebens nach dem gewissen Etwas, dass zum Beispiel Dragon Lord dann doch
in sich haben. Oder besser: man legt sich einfach Wardog's "A sound
beating", "Free the beast" von Slauter Xstroyes oder die letzte Scheibe von
Arch Enemy auf und badet in der Wut und unbändigen Power der alten Zeiten.
Hoffentlich wird Denis Gulbey (der sich wie immer bei der Aufmachung der CD
richtig Mühe gegeben hat) das angekündigte Sacred Oath-Album auch
tatsächlich herausbringen. Euro-Metal gibt es in Europa schon zuviel; wir
brauchen US-Metal, Denis!

(c) 1999, Oliver Kerdijk

1