Cover: schlichtes Design mit Schwert. Bandname: Commander. Titel des Werks: The high ‘n’ mighty. Veröffentlichungsjahr: 1987. Noch Fragen? Klar doch: warum hat dieses Quartett mit dieser Edelscheibe nichts reissen können? Vorne steht ‘METAL’ drauf, hinten steht ‘METAL’ drauf und das kleine Loch in der Mitte dient, ausser zur brillanten Vereinfachung des Plattenabspielens, zudem als schwarzes Zauberloch, durch das alles trendige und wimpige wohl flugs verschwand, als die LP seinerzeit aus seiner Hülle genommen wurde.
Des Rätsels Lösung könnte sein, dass Dave Richards’ Iron Works für Commander als Label fungierte – somit waren die vier Kommandanten aus den US of A eigentlich von vornherein zur metallischen Obskurität verurteilt. So ein Frevel. Neun Songs lang wird hier Power Metal amerikanischer Machart geboten, der es in sich hat. Gleich melodisch und heavy, mit den coolsten Gesangslinien und Refrains ausgestattet – die Songs von Ron Avila, Dave Macias, Jon Natisch und Richard Mejia sind zeitlos gut, wirken weder antiquiert noch modern. Metal ist das!
Das kurioseste an der Platte, hier als Hot Metal-Pirat aus dem ewigen Vergessenseins doch noch zu uns herüber gesegelt, ist wohl, dass Teile im Hammertrack Terror erheblich an ein oder zwei Songs von Tokyo Blade’s LP Night of the blade angelehnt sind. Ausserdem haben Commander dieselbe Klarheit in ihren Songs und einen Sänger, der des öfteren an eine gezügelte Ausgabe von Vic Wright erinnert, der für für die Vocals auf dem TB-Klassiker Night… aus dem Jahr 1984 verantwortlich war. Der spitze Schrei am Ende des Openers Knights of the Round Table zersplittet die Boxen. Als Vergleich kommen mir auch Ostrogoths Ecstacy and danger und Guilty as charged von Culprit hin und wieder in den Sinn.
The high ‘n’ mighty hätte – mehr als manch anderer Release aus der Hot Metal-Wundertüte – seine offizielle Wiederveröffentlichung verdient, komplett mit Bonustracks (die Jungs hatten sicherlich noch einige weitere Tracks in der Hinterhand), fettem Booklet und Begleitinterviews im Heavy, Snakepit und On The March. Der Sound wurde von Szeneveteranen Joe Floyd (Producer) und Bill Metoyer (Engineer) genau auf den Punkt gebracht: glasklar und ohne Firlefanz wie die allseits gehassten ‘innovativen’ Soundspielchen kommen die Songs, dynamisch sind die Lead- und Harmony Vocals im Gesamtbild eingebettet. Für den Headbangertraumsong Wizard alleine hätte ich mir das Album damals gleich gekauft, wäre es mir irgendwo, irgendwann überhaupt in die Hände gefallen. Heutzutage gibt’s oft etwas zu sagen über den fehlenden Wiedererkennungswert im Songmaterial von Metalbands der traditionellen Schule; Commander sind das beste Beispiel für junge (und ältere) Musiker die diesen Stil spielen. An den Titeltrack hört man sofort wie man Heaviness, Melodie, Technik und Eingängigkeit vereinigen kann, damit etwas grossartiges dabei herauskommt.
Auch wenn es hier mal wieder ein Bootleg betrifft – so lange es keine offizielle CD gibt und die Iron Works-LP kaum aufzutreiben ist, bietet die HM-Ausgabe die wohl einzige Chance, diese Perle abzufeiern. The choice is yours.
