Zu Recht trägt das neueste Werk des italienischen Quintetts die Bezeichnung "Symphony" im Titel - denn bombastischer, ambitionierter, klassikorientierter - kurz, größer klangen Rhapsody nie! Der Grund liegt auf der Hand -die Zusammenarbeit mit einem echten Orchester sowie allerlei klassischen Chören gab den Herren Turilli, Staropoli&Co. mehr Möglichkeiten denn je, die man denn auch konsequent ausgenutzt hat.
Vor allem hört man dem Material überdeutlich heraus, wie gerne man den "Herrn der Ringe" verwurstet hätte bzw. wie sehr man von ebendiesem Werk beeinflußt wurde. Sprachen Kenner der Vorab-EP bereits völlig korrekt die Tatsache an, daß das von Christopher Lee in bester Saruman-Manier gesprochene Intro des auch hier enthaltenen zehnminütigen Über-Epos "Sacred Power Of Raging Winds" doch arg an die Caradhras-Beschwörung aus "Die Gefährten" erinnert, so findet der aufmerksame Zuhörer hier durchaus noch das eine oder andere Aha-Erlebnis. Mich gemahnt das grandiose Chor-Intro beispielsweise immer an den Auftakt von "Die zwei Türme", als Gandalf mit dem Balrog kämpfend in die Tiefe fällt.
Eröffnet wird die Scheibe dann, wie weiland schon die EP, von dem ohrwurmigen "Unholy Warcry", das aber hier in einer längeren, teils deutlich veränderten Version daherkommt. Eine typische "Hitsingle" ist das jetzt nicht mehr, stattdessen wird auch hier der verstärkte Klassik-Bezug zelebriert, was nebenbei auch zur Folge hat, daß Lucas Spiel noch mehr als gewöhnlich die Yngwie-Schule absolviert zu haben scheint. Wobei sich das einzig auf die Spieltechnik bezieht - vom Songwriting her sind Rhapsody doch deutlich ambitionierter als der alte Schwede. Das zeigt auch ein weiteres überlanges Gigant-Stück wie "Erian's Mystical Rhymes" (jaja, ich weiß....), das all jenen, die glaubten, "Symphony 1"-Kleinodien wie "The Dark Tower Of Abyss" seien das Maß aller Dinge, endgültig die Kinnlade herunterklappen lassen wird.
Traditioneller kommen Speedster der Marke "Never Forgotten Heroes" (Chorus für die Götter!), "Shadows Of Death" (eine Fanfare für Könige!) oder auch die ganz wunderbare Kitschballade "The Magic Of The Wizard's Dream" daher - alles in allem ist "Symphony 2" jedoch deutlich weniger eingängig als seine direkten Vorgänger, was den einen oder anderen Kopfhörerdurchgang zur Pflicht macht.
Abstriche? Naja, der Chorus des schnellen "The Last Angel's Call" ist etwas arg...gewöhnlich, und die gut zweiminütige Repetition des "Sacred Power..."-Folkthemas unter dem Titel "Elgard's Green Valleys" (jaja, ich weiß...) ist in dieser Form doch ziemlich unnötig. Zudem ist mir "Guardiani" in der englischsprachigen Version auf der EP doch irgendwie besser reingelaufen, das ist aber wohl rein persönliche Präferenz.
Fazit: Rhapsody ziehen mal wieder alle Register ihres Könnens. Pflichtscheibe, wenn man denn nur ein bißchen was mit dem Sound der Italiener anfangen kann. Sie sind halt die Meister ihres Fachs...
