Die Debütscheibe "Metallic blue" war schon nicht von
schlechten Eltern (der
gutgelaunte Titeltrack läuft öfters in meinem "Geschirrspül-Programm"),
aber mit ihrem zweiten Geschoss "Slaves of the new world" haben
Gitarrero/Komponist Mike Slamer und seine Steelhouse Laners erst recht ein
heisses Eisen im Feuer. Eleven killers, NO fillers heisst nach zweimal
durchhören das Urteil der harten Jury. Allesamt wieder ungemein gut drauf,
rocken die Jungs als wäre es 1984 und fabrizieren ein Melodic-Sahneteil mit
AOR-Schlagseite; von Uptempo-Rocker über Midtempo-Stampfer bis bluesige
Ballade ist das ganze Anti-Trend-Spektrum des US-Hardrocks vertreten. Die
Titelnummer dringt härtemässig sogar in Fifth Angel-/Lillian Axe-Gefilden
vor; fast aggressives Riffing gepaart an einer tollen Melodie und
hervorragenden Percussion-Einlagen ergeben einen etwas exotisch anmutenden
Song mit dem man am frühen Sonntagmorgen gerne die Nachbarn zum Leben
weckt, hähähäh. It rocks, dude!
Ach, hätte es Steelhouse Lane in den Achtzigern gegeben, dann hätten wir
"echte" Metaller sie verdammt bis in alle Ewigkeit. Heute geht es mir aber
anders; ich freue mich wie ein Kind über diese Scheibe voller ehrlicher
Musik mit krönendem Oberliga-Gesang von Keith Slack und wünsche mir, das
Projekt entpuppt sich doch noch als eine richtige Band und man kommt nach
Europa für Auftritte. Ein MTM-/Point Music-/Now and Then-Festival mit
lauter Melodic-/AOR-Bands (Steelhouse Lane, Axe, Guild of Ages, Ten, die
göttlichen Dare) wäre aber im heutigen Medienklima wohl eine reine Utopie...
Bis die Zeiten sich wieder zugünsten des wahren Musikers wandeln müssen wir
uns aber mit diesen kleinen silberfarbenen Dingern zufrieden geben. Im
Genre ist "Slaves..." ein Uberflieger, den ich mir an einem dunklen,
regnerischen Samstag zulegte und der fast jeden Tag in meinem Kellerbüro
(alias The Dungeon) läuft bis verdammt nochmal auch da die Sonne scheint.
Natürlich bleibt es für einen mit Tod und Teufel vertrauten Metalhead immer
seltsam, AOR-Texte mitzugröhlen (à la "...Baby I miss you so much" - aus:
"Seven seas"), aber die gehören nun mal zu dieser Musik wie Cindy zu Bert.
Erstklassig: die episch angehauchte Revolverhelden-Geschichte "Son of a
loaded gun" (mit Killer-Riff). Herrlich: der Rocker "Find what we're
lookin' for" (klingt in ungefähr so wie mir gerade mein Glas tschechischer
Kord-Wodka schmeckt: mmmmhhh!). Ansteckend: das ruhige, mit
hypnotisierenden Gitarrenläufen ausgestattete "In to deep" (kein
Schreibfehler). Undsoweiterundsofort.
End of review; buy this record.
Aus dem Sacred-Metal-Archiv · Power · US · True Metal
Steelhouse Lane: Slaves Of The New World
Historischer Originaltext. Angaben zu Veröffentlichungen, Preisen und Kontakten beziehen sich auf die damalige Zeit.
