Sacred Metal

Aus dem Sacred-Metal-Archiv · Power · US · True Metal

Twisted Tower Dire : The Curse of Twisted Tower

Historischer Originaltext. Angaben zu Veröffentlichungen, Preisen und Kontakten beziehen sich auf die damalige Zeit.

Ein Blick auf das höchst kultige Cover müßte dem Betrachter eigentlich klar machen, was hier abgeht - "Battle Cry" meets "Night On Bröcken" (das alte, mit der brennenden Hexe). Jau, it's US Metal-Time. Erstaunlicherweise muß ich fast "mal wieder" anführen - nach allem, was man über die metalfeindlichen USA liest, überrascht mich die Anzahl der hochklassigen Bands in den letzten Jahren immer wieder. Scheint so, als hätte jeder Fan dort seine eigene Band...

Nach den gut bis fantastisch ausgefallenen Alben von Bands wie October 31, Skullview, Jacob's Dream, The Lord Weird Slough Feg und vielen anderen nun also noch 'ne neue Truppe aus dem US-Underground - und was für eine. Mit der höchst wahrscheinlichen Ausnahme der Metalgötter von Jacob's Dream (deren neues Album ich noch nicht gehört habe) werden diese beileibe nicht schlechten Bands ziemlich an die Wand, ach was sag' ich, DURCH die Wand gespielt. Wenn die Band selbst in den nächsten Jahren keine obskuren musikalischen Kurskorrekturen vornehmen sollte und die Plattenfirmen nicht wieder im kollektiven Tiefschlaf versinken (wie leider aus Erfahrung anzunehmen ist), wage ich sogar zu behaupten, daß man Twisted Tower Dire in einigen Jahren auf eine Stufe mit Kultacts wie Steel Prophet, Griffin oder Liege Lord stellen wird.

Und genau in der Tradition solcher Bands wird auf "The Curse of Twisted Tower" der Metal zelebriert, auch wenn die Band bei Ignoranten garantiert als "Maiden-Clone" verschrien sein wird (Ich erschauere jetzt schon in Erwartung des Hammer-Reviews, falls es denn jemals erscheinen sollte. Das unglaubliche Dark At Dawn-Review hat mir in dieser Hinsicht schon fast den Rest gegeben, aber ich schweife irgendwie ab...). Es mögen die alten Maiden auch so etwas wie die "Basis" der 8 Songs bilden, aber 1.) ist das ungefähr bei 90% der Metalbands nicht wirklich abzustreiten und 2.) hört wohl auch die taubste Nuß nach ungefähr einer halben Minute, daß hier ein allerfeinstes US-Metalalbum klassischer 80er-Bauart durch die Bude dröhnt. So lange braucht nämlich ungefähr der geile Opener "Land of Illusions", um halbwegs in die Gänge zu kommen und erste Fates Warning-Assoziationen hervorzurufen. Auch wenn der charismatische Gesang von Tony Taylor nicht wirklich in Arch'sche Höhen hervorstößt (was vielen Leuten wohl auch lieber sein wird), so ist es doch die relative Vertracktheit der Melodien und Riffs, die die Gedanken sofort in Richtung der Hochzeit der Band um Jim Matheos wandern läßt. Von dort aus begeben wir uns mit "Hail Dark Rider" (sind diese Songtitel klasse oder was?) direkt in epischere Gefilde. Spätestens, wenn Taylor mit den Worten "The Gates are opening - Tonight He rides..." den dunklen Reiter auf die Welt losläßt, während im Hintergrund ein mystisch-erhabenes Riff ertönt, das die Geister von Griffin und Omen heraufbeschwört, ist es Zeit für die erste Gänsehaut des Abends. Das kann doch nicht mehr besser werden...

...denkt man, bis Track Nr.4 einen endgültig ins metallische Walhalla entführt: "The Epic War Never Ends" ist schlicht und ergreifend mal eben so die göttlichste Schlachtenhymne, die Omen nie geschrieben haben, kombiniert mit Maiden-lastigen Twin-Gitarren-Soli, im Stil der "Powerslave"- und "Somewhere In Time"-Scheiben gespielt. Mehr Worte machen kaum Sinn - das muß man einfach gehört haben.

Im bewährten Stile geht's dann weiter, bis schließlich mit "The Witch's Eyes" ein weiterer Megahit DAS Newcomer-Album des letzten Jahres (na gut, zusammen mit Doomsword) beschließt. Balladesk beginnend (und SEHR überzeugend gesungen), mutiert das gute Stück in einen Ohrwurm-Banger erster Güte, der gleichzeitig den gradlinigsten Song des Albums darstellt und die Scheibe auf einer ähnlichen Note beschließt wie weiland "Fade to Flames" das Fifth Angel - Debüt.

So....

(FAN MODE OFF) Nur am Schluß noch'n paar kritische Worte, sonst glauben die Leute noch, die Band bezahlt mich für diese Lobeshymnen...

- Der Sound ist nicht wirklich überzeugend. Immer 'n bißchen vor sich hin rumpelnd und ohne wirkliche Power auf den Gitarren. Typische Low-Budget-Produktion halt, aber das ist mit einigen Griffen zu den Reglern ja auszubügeln. Abgesehen davon paßt es gut zur generellen 80er-Attitüde der Scheibe. Beim nächsten Mal könnten allerdings etwa Bill Metoyer oder Jim Morris Wunder wirken....

- Jungs, wäre denn ein 10-minütiges Instrumental wirklich nötig gewesen? Aus den dort verbratenen Riffs und Soli hätte man mit ein wenig Brainstorming doch noch zwei weitere geile Songs hingekriegt... Na ja, scheint wohl das Manowar-Syndrom zu sein. Trotzdem klicke ich diesen Lückenfüller meist weg.

Das wär's auch schon...(FAN MODE ON)

....und nun holt Euch endlich dieses Hammerteil (gibt's u.a. bei Hellion)!!!!

(c)2000, Ernst Zeisberger

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