J.D. Kimball singt bei Manilla Road. Na, wer unter der werten Leserschaft unserer kleinen Familienseite (come back, Harald Schmidt!) würde bei einer derartigen Konstellation nicht zugreifen? Eben. Und auch wenn ebenjenes leider für immer Fantasievorstellung bleiben wird (Rest in peace, J.D.!), so kommen die Portugiesen Ironsword auf ihrem Zweitwerk dieser Vorstellung soundtechnsich doch näher denn je. Underground-Metal für die Götter (und, da die ollen Olympier sich im Zahlen immer arg zurückhalten, auch für die kleine, aber treue Gefolgschaft des Stahls hier in Midgard) ist es, was hier geboten wird, das wird von den ersten Tönen der neuen Bandhymne "Ironsword" klar. Da raisen sich fast unbewußt die fists of steel to the sky, da kommt die olle Luftgitarre hervor, da schwingt - so vorhanden - die Matte wie einst im Mai!
Aber es kommt ja noch besser: das grandiose "Beginning of the End" klingt ohne jede Qualitätsabstriche wie direkt aus den "Open The Gates"- oder auch "Mystification"-Sessions entnommen, und im Chorus zeigt Frontröhre/Mastermind Tann denn auch, daß er mehr kann als nur der US-Metal-Gottröhre Nr. 1 zu huldigen: klingt er hier doch 1:1 so, als hätte er im Hause Shelton heimlich das ein oder andere Stimmband entwendet. U-N-G-L-A-U-B-L-I-C-H, zweifelsohne einer der zehn besten Songs des Jahres!
Es folgen mit Songs wie dem kurzen, aber gigantischen "First Masters", dem hymnischen "Nemedian Chronicles" (dem Album liegen die Werke von Robert E. Howard als Textkonzept zugrunde, inklusive einer Landkarte (!) der Welt des Fantasy-Pioniers) oder auch dem überragenden Titeltrack einige weitere zukünftige Klassiker. In der zweiten Hälfte des Albums kann man jedoch jenes unglaublichen Niveau nicht ganz halten, insbesondere die aus einer älteren Session stammenden "War Hymn" und "Death Or Glory" sind "nur" gut, und wenn man denn Omen covern möchte, sollte man das meines Erachtens auch tun und nicht ein Quasi-Remake als eigenen Song ausgeben! Oder weiß IRGENDJEMAND in der Zielgruppe nicht, welcher Song für "The Wench" Pate gestanden haben könnte? Na bitte.
Besagte Einschränkungen verhindern denn auch, daß ich "Return Of The Warrior" ganz auf eine Stufe mit den legendären Vorbildern stellen kann. Nichtsdestotrotz ist das hier zusammen mit Viperine und Black Destiny der bisher feinste Undergroundstahl des Jahres. Möge der Warrior bald zurückkehren!
(c)2004, Ernst Zeisberger