Braucht die Welt denn nun eigentlich noch eine Savatage-Reunion oder nicht? Jein. Eigentlich kann man sich kaum vorstellen, daß diese US-Legende im Jahre 2008 entscheidend anders tönen würde als es ihr Ex-Frontmann auf "Global Warning", dem nunmehr dritten Album seines Jon Oliva's Pain-Projektes vormacht. Sicher, manches ist anders als ehedem, aber wenn man sich die Entwicklung der Florida-Legende über die Dauer ihres Bestehens hinweg betrachtet, ist es alles andere als weit hergeholt, daß mit weiteren zehn Jahren Entwicklungszeit die auf "Global Warning" oftmals hervorgekramten Led Zeppelin-Vibes (ganz hervorragend: "The Ride"!) außer Frage stünden, von den oftmals nach Deep Purple-Manier eingesetzten Hammondsounds mal ganz zu schweigen.
Und über dem Großteil des Albums schwebt ohnehin der Geist der "Gutter Ballet"- und "Streets"-Phase - nicht nur in den Fällen, bei denen Oliva mal wieder die Demotape-Kisten seines verstorbenen Bruders Criss zwecks Inspiration durchwühlt hat. Mögen nämlich diese Beiträge, wie das gut informierten Savatage-Fans schon als Demo aus den "Gutter Ballet"-Sessions bekannte, hier in einer stark veränderten Version vertretenen "Before I Hang" oder auch die Gänsehaut ohne Ende verbreitende, gigantische Epic-Ballade "Firefly" auch zu den Höhepunkten des Albums stammen, so steht so mancher von Jon alleine bzw. mit seinen aktuellen Bandmates zusammen verfasste Song dem kaum in etwas nach ("Open Up Your Eyes", vor allem, ein weiterer todsicherer Tränentreiber, wäre auch auf einer "Streets" nicht negativ aufgefallen!). Überhaupt ist das Album als Ganzes sehr geschlossen stark und bietet einiges mehr an Langzeitwirkung als zuletzt noch "Maniacal Renderings".
Aber da war doch noch was...ach ja, Savatage-Reunion. Es gibt so Tage, da würde ich sie trotz aller Klasse des vorliegenden Albums dann doch begrüßen. Dann nämlich, wenn ich mich mal wieder nur wundern kann, warum hier trotz Morrisound-Unterstützung so ein Feierabendkapellen-Sound herausgekommen ist, der bei the mighty 'tage schon anno 1987 nicht mehr jenseits des Demostadiums akzeptiert worden wäre. Ein Paul O'Neill als kreativer Gegenpol hätte Meister Oliva vielleicht auch vor einem kapitalen Bockschuß wie dem reichlich schwachbrüstigen Finalpart im ansonsten - s.o. - famosen "Firefly" zu warnen gewagt. Und über das Cover decken wir abermals lieber den Mantel des Schweigens.
Trotzdem gilt wohl: näher als hier werden wir in diesem Leben dem alten "Gutter Ballet"/"Streets"-style Bombastmetal kaum noch kommen. Schade eigentlich, daß das vom Großteil der Zielgruppe kaum honoriert wird.
(c)2008, Ernst Zeisberger