Genau zehn Jahre haben die Hellenen
gebraucht um ihre zweite, auf dem Black Lotus-Label erscheinende CD zu
veröffentlichen – ob sie nah am Sound des noch in Eigenregie veröffentlichten
Debüts geblieben sind entzieht sich meiner Kenntniss, denn letzteres ist mir
bisher noch nicht zu Ohren gekommen. Eins steht fest: auf Masters of sins
hat man ein ziemlich seltsam-originelles Gebräu aus südeuropäischen Epic-Klängen
und nordeuropäischem Bombastmetal gepackt, das ganze versehen mit einer Prise
Progressive und einem Klassik-Touch. Das Sarissa-Line-up besteht heuer aus Jim
A.D. Selalmazidis (Gitarre, Keys, Backing Vocals, Programming), Nick Iglezos
(Gesang) und Bill Kanakis (Drums). Von der ‘94-er Besetzung ist also nur
Bandkopf Jimmy noch mit dabei (obwohl der Begriff ‘Band’ vielleicht ein wenig
enthusiastisch klingt für Leute die zwei Alben in zehn Jahren herausbringen).
Dass die Stücke in Ruhe reifen konnten, hört man ihnen dann auch an – hier wirkt
nichts als sei es auf die schnelle erdacht und eingespielt. Speziell an den
Gesangslinien erkennt man unschwer dass da mit einer grossen Genauigkeit an den
Arrangementen gefeilt wurde. Sänger Iglezos ist ein wirklicher Fund und bekommt
gleich im Anfang des ersten Tracks Bleed (till the end) die höchsten Töne
so astrein hin, dass das Eis zwischen Hörer und Band sofort gebrochen ist. Wenn
auch man als geneigter Schreiberling bemüht ist, einen Vergleich mit anderen
Metalbands zu ziehen, so ist es bei Sarissa schwer dies zu tun. Nicht nur sind
die Riffs einfallsreich und Songs an sich sehr originell und gewissermassen
komplex gestaltet – die kuriose Mischung und der prominente Einsatz von Keys und
Synths machen das einordnen Sarissas ziemlich unmöglich.
Manchereiner wird sich vielleicht mit den
in den Vordergrund operierenden Keys und Synth nicht auf Anhieb anfreunden
können, aber nach einigen Durchläufen und mindestens einer Kopfhörersession
(Pflicht!) haben sich diese Elemente einigermassen ins Klangbild eingefügt. Der
Platte haftet etwas selbstbewusstes und gar erhabenes an, dass durchaus am
sinfonischen Einschlag der Kompositionen liegen dürfte: Sarissa machen genau das
Gegenteil von dem was in den letzten zwei Jahren Bands wie Wizard, Metalucifer
und Co. getan haben: hier wird nicht einen auf back-to-the-roots-Kult gemacht,
sondern musiziert. Sarissa bringen eine etwas verfeinerte Version des
Metal, undergroundigst und wie gesagt höchst eigenwillig. Damit wir das alles
etwas in Perspektiv sehen: wer sich die im Moment angesagte Bootlegserie von Hot
Metal ansieht, muss zwangsläufig feststellen wie sehr Sarissa in diese Reihe
Obskuritäten reingepasst hätten, wären sie nicht mehr existent. Hoffentlich
findet Masters of sins etwas mehr Käufer als es die meisten Hot
Metal-Truppen damals geschafft haben (und muss nicht in fünfzehn Jahren
gebootlegt werden). Dabei ist jede Nummer auf diesem 10-Tracker mit einprägsamen
Refrains und äusserst gelungenen Gitarrensoli versehen und das Titelopus wartet
mit epischen Melodiebögen und toller Atmosphäre auf. Der siebte Song,
Starvation, muss wegen der extrem gut gelungenen Melodie und des fliessenden
Gitarrensolos auch hervorgehoben werden.
Zum Abschluss noch etwas Gemecker? Aber
bitte sehr: mit dem nicht nur buchstäblich arg braun geratenen
Panzer-in-der-Wüste-Cover und dem etwas, sagen wir mal, schrägen Bandlogo mit
Blitz-S und Rakete hat man sich, trotz anti-Kriegs-Statements in Masters of
sins, klar keinen Gefallen getan. Da wird es wie immer entsetzte Leute geben
die CD und Band gleich in die falsche Ecke setzen werden. Schade.
(c)2004, Oliver Kerkdijk