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Saxon : Lionheart

Hach, es ist doch schön, daß es noch Bands gibt, auf die man sich verlassen kann. Dazu zählen natürlich auch die britschen Veteranen Saxon, die seit ihrem grandiosen '90er Comebackscheibchen "Solid Ball Of Rock" eigentlich nie enttäuscht haben (die produktionstechnisch völlig verunglückte "Forever Free" vielleicht mal ausgenommen, und auch auf der war das Metallerherz am rechten Fleck) und die nun satte drei Jahre nach "Killing Ground" mal wieder mit neuem Studiomaterial aufwarten. Einen neuen Drummer hat man dabei auch vorzuzeigen - Jörg Michael kann eine weitere Band von seiner "Hab' ich noch nicht mitgespielt"-Liste streichen.

Anyway, schon der flotte Opener "Witchfinder General" macht klar, daß die Sachsen auch diesmal keine Gefangenen machen. Killerriffs en masse fliegen dem geneigten Headbanger hier entgegen, und der historisch inspirierte Text (die Inquisition darf mal wieder herhalten) setzt den Trend für dieses Album, auf dem Biff anscheinend mehr als einmal sein altes Geschichtsbuch hervorkramte. Paradebeispiel natürlich der überragende Titeltrack, der textlich die Rückkehr von Richard the Lionheart nach England behandelt und auch sonst locker als Sequel des '84er Megaklassikers "Crusader" durchgehen könnte, inklusive eines epischen, die Szene setzenden Intros mit massig mittelalterlicher Atmosphäre. Erstklassig!

Zwischendruch gibt's dann die gewohnte Mischung aus mehr ("Justice" - monströser Midtempo-Mattenschüttler!) oder weniger ("Man And Machine" - etwas zu standardmäßige Bikerhymne) gelungenem Britenstahl, das brilliante "To Live By The Sword" (jawoll!) dreht auch speedmäßig nochmal voll auf , bevor uns dann das kurze akustische "Jack Tars" auf die hohe See einlädt.

"Once was a Sailor, ship of the line,
Came to my duty, serving my time.
Far Far Away from you I must go,
Ne'er to return, I do not know.
If I return to tell you my tale,
I'll sing of Gunsmoke and Bloodstained Sails.
Stand by my shipmates, we will not fall,
Jolly Jack Tars, Brave men and All."

Jawoll, als nächstes segelt das "English Man-o-war" mit einer Power, von der Running Wild seit Jahren nur träumen können, in die Schlacht, bevor man dann die See eher von unten betrachtet (das getragene "Searching For Atlantis" zählt aber für meinen Begriff leider nicht zu den Highlights) und schließlich, viele, viele Jahre nach "747", mal wieder in die Lüfte abhebt. "Flying On The Edge", ein hymnischer Stampfer in "Denim & Leather"-Manier, beendet eine Scheibe, die die letzten zwei Alben deutlich übertrifft (wenn auch die himmelhohe Qualität einer "Unleash the Beast" wohl verfehlt wird - aber nicht um viel) und die Position der Band an der Weltspitze des Metal-Zirkus weiter festigt. Ergo - Pflichtkauf!

(c)2004, Ernst Zeisberger