Saxon : Into The Labyrinth
Bei dem Stichwort "Saxon" ist man als Schreiber versucht, in 10 Minuten ein
schnelles Review mit den Eckpfeilern "alles wie gehabt", "gute Songs", "gute
Produktion", "Fazit: beste Saxon-Scheibe seit..." zu verfassen. Doch diesmal ist
alles anders. Unterlagen auch die Alben in jüngster Vergangenheit immer mal
wieder diversen Qualitätsschwankungen, so wurde doch nie ein gewisses Niveau
unterboten. Doch das ist bei "Into The Labyrinth" leider der Fall. Um es vorweg
zu nehmen: seit dem grandiosen Comeback mit "Solid Ball Of Rock" haben mich Biff
Byford und co. noch nie so enttäuscht.
Wo soll man da beginnen? Am besten beim Opener: ein uninspiriertes Stück
0815-Metal wie man es schon lange nicht mehr gehört hat. Stilistisch im
Fahrwasser von Songs wie "Killing Ground" kann "Battalions Of Steel" zu keiner
Sekunde überzeugen. Darüber ist man sich anscheinend auch im Lager der Briten im
klaren, denn man versucht den Song durch überladene Chöre und penetranten
Keyboard-Einsatz aufzupeppen, was vollkommen in die Hose geht. Es folgt mit dem
zweiten Lied "Live To Rock" der kleine langweilige Bruder von "I've Got To Rock"
vom letzten -- in meinen Augen übrigens überragenden -- Longplayer "The Inner
Sanctum". Nicht mal der betrunkendste Biker dürfte sich von dieser platten Hymne
angesprochen fühlen. Im Anschluss glaubt man kurz, Licht am Ende des Tunnels zu
erblicken, denn "Demon Sweeney Todd" überzeugt in den Strophen mit
Geschwindigkeit und Aggression. Leider wird man vom Refrain und dem
dazugehörigen Break schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Hat
man denn im Saxon-Lager keine zündenden Ideen mehr? Und hier könnte ich mein
Review auch schon getrost beenden, denn was nun folgt ist so nichtssagend und
farblos, dass es nicht einmal in negativer Erinnerung bleibt. Simpelste Hard
Rock-Songs wechseln sich mit Heavy Metal-Stücken ab, deren Sonwriting aus einem
Leerbuch für Schülerbands im Ersten Jahr der Ausbildung stammen könnte. Für eine
großartige Band wie Saxon ist das einfach nur peinlich.
So bleibt "Into The Labyrinth" ein absoluter Schnellschuss und gleichzeitig
mächtiger Reinfall, dem wohl nur das Geschenk des Lebens gemacht wurde, damit
der lukrative Zyklus Album-Tour-Album-Tour nicht unterbrochen werden musste. Ein
weiteres Indiz für "Into The Labyrinth" als Überbrückungslongplayer ist das
billige Coverartwork und die Tatsache, dass man die Spieldauer mit zwei
überflüssigen Intros und einem Remake gestreckt hat. Ich hoffe inständig, dass
man mit dem nächsten Studioalbum zu alter Form zurückfindet, denn live gehören
Saxon noch immer zu den besten Bands dieses Planeten.